Familienanaloge Angebote

Inobhutnahme und Kurzzeitpflege in Bereitschaftspflegefamilien

Alterstruktur

Säuglinge, Kleinkinder, Kinder bis 12 Jahre

Auftragsgrundlage

§ 33 SGB VIII (Vollzeitpflege) in Verbindung mit § 27 SGB VIII (Hilfe zur Erziehung) oder § 42 SGB VIII (Inobhutnahme), weiterhin in den §§ 36, 37 und 44 SGB VIII.

Personal

  • Bereitschaftsfamilien mit pädagogischer Qualifikation bzw. besonderer Eignung
  • Beratung der Familien durch SozialpädagogInnen / Sozialarbeiter mit familietherapeutischer oder familienberaterischer Zusatzqualifikation

Zielgruppe

Aufgenommen werden Säuglinge, Kleinkinder sowie Kinder n der Regel bis 12 Jahre

  • deren ausreichende Versorgung auf Grund einer Krankheit oder anderer Verhinderungsgründe durch die Erziehungsberechtigten nicht sichergestellt ist,
  • die im Rahmen einer notwendigen Krisenintervention in Obhut genommen werden oder
  • denen Schutz vor drohender oder anhaltender Kindeswohlgefährdung gewährt wird.

Nicht aufgenommen werden Kinder, die unter Verhaltensstörungen oder Beeinträchtigungen leiden, die die Leistungsfähigkeit familiärer Betreuungsformen überfordern oder für die aus anderen Gründen eine pädagogisch qualifizierte stationäre Unterbringungsform angemessen und notwendig erscheint.

Ziele

Wesentliche Ziele der Aufnahme sind

  • die vorübergehende Versorgung und Betreuung im Rahmen von Kurzzeitpflege,
  • die Schaffung eines geschützten Raumes für das Kind während einer familiären Notfallsituation,
  • die Mithilfe an der Entwicklung einer weiteren Perspektive,
  • die Rückführung in die Familie oder
  • die Überleitung in eine weitere Hilfe.

Betreuung in der Bereitschaftsfamilie

Die Bereitschaftspflegestelle übernimmt für einen Zeitraum von in der Regel bis zu sechs Monaten die umfassende Betreuung von Kindern. In dieser Zeit müssen die Perspektive für das Kind geklärt und ggf. weitere Hilfen zur Erziehung organisiert werden. Die Zielsetzung der Hilfe kann unterschiedlich sein:

  • Kurzzeitpflege als eine befristete Hilfe bei Ausfall der Hauptpflegeperson durch Krankenhaus- oder Kuraufenthalte oder wegen anderer persönlicher Gründe
  • Bereitschaftspflege als Hilfe bei einem spontanen Ausfall der Hauptpflegeperson
  • Bereitschaftspflege als kurzfristige Hilfe im Falle der Inobhutnahme

Mit der spezifischen Anforderung, Kindern in Krisensituationen einen vorübergehenden Aufenthalt zu gewähren, muss die Bereitschaftspflege in der Lage sein, Kinder aus Notsituationen oder Krisen intensiv zu betreuen und zu versorgen. Die Bereitschaftspflegestelle/-familie erfüllt folgende Aufgaben:

  • Aufnahme eines Kindes in Notsituationen innerhalb einer angemessenen Frist
  • geplante und vorbereitete Aufnahme eines Kindes im Sinne von Kurzzeitpflege
  • intensive Betreuung und Versorgung des Kindes in der aktuellen Krisensituation
  • Förderung der sozialen, emotionalen und motorischen Kompetenzen im Alltag
  • umfassende Betreuung und Versorgung des Kindes in der Bereitschaftsfamilie rund um die Uhr
  • Einübung lebenspraktischer Fertigkeiten
  • Verhaltensbeobachtung
  • Gestaltung von Freizeit
  • enge Zusammenarbeit mit dem vermittelnden Jugendamt, den Mitarbeitenden des Jugenddorfs Petrus Damian Warburg und beteiligten Institutionen
  • Ermöglichung und Unterstützung von Kontakten zur Herkunftsfamilie Wahrnehmung von Terminen bei Ärzten und in Fördereinrichtungen
  • Begleitung von Gerichts- und Gutachterterminen
  • Unterstützung bei der Rückführung des Kindes
  • Unterstützung bei der Vermittlung in eine andere Hilfe zur Erziehung

Entgelt

Die Berechnung der Bereitschaftspflege erfolgt auf Basis eines Tagessatzes. Der Tagessatz beinhaltet die Sachleistungen (Unterkunft, Verpflegung etc.), die Betreuungs- und Erziehungsleistungen des Kindes, die Beratung und Koordination der Maßnahme durch die Fachkräfte des Jugenddorfes, Verwaltungsleistungen.
Bereitschaftspflegesatz I: gilt vom 1. bis 30. Tag und bei weiterhin erhöhtem Bedarf
Bereitschaftspflegesatz II: gilt ab dem 31. Tag

 

Auswahl und Vorbereitung der Bereitschaftspflegefamilie

An Bereitschaftspflege interessierte Bewerberinnen und Bewerber müssen folgende Anforderungen genügen:

Formale Voraussetzungen

  • gesundheitliche Verfassung, die die Aufnahme eines Kindes zulässt (Gesundheitszeugnis) ■ erweitertes Führungszeugnis ohne Einträge
  • eigenes Zimmer für das Pflegekind mit mindestens 10 qm
  • gesicherte wirtschaftliche Lebenssituation

Sonstige Voraussetzungen

  • geeignete Motivation für die Tätigkeit als Bereitschaftspflege
  • Annahme von Beratungsleistungen
  • Vorhandensein notwendiger Ressourcen der Familie
  • positive emotionale Verfassung der Familie
  • günstige Eltern-Kind-Interaktion
  • günstige Paarinteraktion
  • erkennbare Kooperationsbereitschaft mit dem Träger, dem Jugendamt, Institutionen und der Herkunftsfamilie
  • kindgerecht eingerichtete Wohnung
  • Verzicht auf das Rauchen in Zimmern, in denen sich Kinder häufig aufhalten
  • Reflexionsfähigkeit und -bereitschaft
  • Bereitschaft zur Fortbildung
  • Unterstützung im sozialen Netzwerk der Familie
  • Erziehungserfahrung oder pädagogische Erfahrung
  • Belastbarkeit
  • Fähigkeiten im Bereich der Stress- und Konfliktregulation

Vorbereitung der Bereitschaftspflegefamilie

Bewerberinnen und Bewerber werden in einem Erstgespräch und mindestens zwei weiteren Gesprächen sowie einem Informationsabend mit erfahrenen Bereitschaftsfamilien, oder innerhalb eines Pflegeeltern Arbeitskreises, mit und anhand eines von ihnen ausgefüllten Fragebogens auf ihre Aufgaben vorbereitet und umfassend über

  • Rechte, Aufgaben und Pflichten der Bereitschaftspflegeeltern,
  • Beteiligte im Hilfeprozess,
  • Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, dem Träger und der Herkunftsfamilie des Kindes

sowie

  • Symptomatik und Auswirkungen von Traumatisierung, Bindungsstörungen, Vernachlässigung und innerfamiliärer Gewaltstrukturen informiert.

Darüber hinaus ergänzen eine Reflexion persönlicher biografischer Erfahrungen (Genogramm) die Refle- xion der Veränderungen im privaten Lebensbereich und eine Einschätzung der Ressourcen der Bewerberinnen und Bewerber das Gesamtbild. Abschließend wird gemeinsam mit den Bewerbenden ein Profil der Familie und ihrer Ressourcen erstellt.

Beratung der Bereitschaftspflegefamilien

Mit der Aufnahme werden mit den Jugendämtern Vereinbarungen über die Form und Frequenz der Kontakte zwischen den Beteiligten zu Zielsetzung und Auftrag der Unterbringung und zu regelmäßigen Auswertungsgesprächen getroffen. Die Fachkräfte des Jugenddorf Petrus Damian, die die Bereitschaftspflegefamilie be- gleiten, stehen dem Jugendamt als Ansprechperson zur Verfügung. Eine koordinierende Tätigkeit bezüglich der zur Verfügung stehenden Bereitschaftspflegestellen wird von den beratenden Fachkräften übernommen.

Es werden folgende Leistungen zur Verfügung gestellt:

  • Fachaufsicht der Bereitschaftspflegefamilie
  • Beratung und fachliche Begleitung der Bereitschaftspflegefamilie
  • Reflexion des Verhaltens des Kindes und Dokumentation wichtiger Beobachtungen
  • Begleitung des Kindes bei regelmäßigen Umgangskontakten (max. einmal wöchentlich) einschließlich Reflexion und Dokumentation
  • Sofern erforderlich: Hilfe bei der Perspektivklärung und Profilerstellung für eine geeignete Dauerpflegefamilie
  • Unterstützung bei der Rückführung des Kindes in den elterlichen Haushalt
  • bei Bedarf Erstellung eines Verlaufsberichtes bei einer Unterbringung von mehr als 8 Wochen

Kooperation mit Kooperationspartner/innen

Die Bereitschaftspflegefamilie und die Fachkraft des Jugenddorfs Petrus Damian Warburg kooperieren nach Absprachen mit der zuständigen Fachkraft des Jugendamtes, Gutachterin und Gutachtern, ärztlichen, bildenden und therapeutischen Fachkräften.

Zusatzleistungen bei Bedarf auf Fachleistungsstundenbasis

  • psychologische/heilpädagogische Diagnostik mit den Fachdiensten des Jugenddorfs Petrus Damian Warburg
  • intensive beraterische Unterstützung bei der Kontaktanbahnung beim Wechsel des Kindes in eine Vollzeitpflegestelle
  • Beratung der Herkunftsfamilie
  • Begleitung einer über einen längeren Zeitraum geplante systematische Rückführung in die Herkunftsfamilie
  • begleitete Umgangskontakte, die häufiger als einmal wöchentlich stattfinden

Qualitätsentwicklung und -sicherung

Die Bereitschaftspflegefamilien werden durch Diplom-SozialpädagogInnen, Diplom-PädagogInnen beraten. Die Fachkräfte verfügen über zusätzliche Qualifikationen im Bereich Kinder- und Jugendlichentherapie und Systemischer Beratung.

Zur Qualitätssicherung dienen regelmäßige interne und externe Fortbildungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Durchführung dieser Fortbildungen zu relevanten Fachthemen wird strategisch in der Einrichtung geplant. Bei Bedarf erhält das Team oder der/die Mitarbeiter/in Supervision.

Insbesondere mit Blick auf die Sicherstellung des Kindeswohls werden Qualitätsmerkmale und -standards entwickelt. Orientierungshilfen geben hier die Qualitätsentwicklung und entsprechenden Ausarbeitungen wie:

  • Qualitätsstandards des Jugenddorf Petrus Damian
  • Qualitätshandbuch „Westfälische Pflegefamilien“

 

Ihre Ansprechpartner

Peter Meier-Laqua

Fachbereichsleiter der Familienanalogen Betreuungsformen (FAB)

05641-773-116

p.meier-laqua@jugenddorf-warburg.de